Ratgeber

Wand entfernen lassen: tragend oder nicht, Ablauf und Kosten

Woran man tragende Wände erkennt, wer entscheidet, was in Hessen gilt und wovon der Preis abhängt.

Wand entfernen lassen: tragend oder nicht, Ablauf und Kosten

Kurz gefasst: Eine nichttragende Wand lässt sich im Bestand in der Regel ohne Baugenehmigung entfernen. Ob eine Wand trägt, entscheidet aber nicht das Auge, sondern ein Tragwerksplaner. Bei tragenden Wänden verlangt die Hessische Bauordnung vorher die Bescheinigung einer nachweisberechtigten Person, und die Last wird über einen Träger abgefangen. Den Preis machen Material, Statik, Staubschutz, Weg nach draußen und Entsorgung, nicht die Quadratmeter.

Tragend oder nicht: warum man es nicht sieht

Viele Wände tragen, obwohl sie dünn sind, und manche massive Wand trägt gar nichts. Hinweise gibt es: Außenwände tragen immer, Wände, auf denen im Geschoss darüber wieder eine Wand steht, oft auch. In Häusern mit Holzbalkendecken tragen die Wände, auf denen die Balken aufliegen. In Gründerzeithäusern, wie sie in Wiesbaden oder in den Altbauvierteln von Frankfurt stehen, trägt die lange Mittelwand fast immer.

Das sind Hinweise, keine Entscheidung. Ein Durchbruch, der nachträglich abgefangen werden muss, kostet ein Vielfaches der vorherigen Planung. Deshalb gehört vor den ersten Schlag der Blick eines Tragwerksplaners, auch wenn die Wand leicht aussieht.

Was das Recht verlangt

In Hessen ist das Umbauen im Inneren bestehender Gebäude, die keine Sonderbauten sind, grundsätzlich baugenehmigungsfrei. Sobald tragende oder aussteifende Bauteile betroffen sind, verlangt die Hessische Bauordnung vorher die Bescheinigung einer nachweisberechtigten Person, in der Praxis des Tragwerksplaners. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen ist das Entfernen nichttragender Wände ebenfalls verfahrensfrei, bei tragenden gehört der Tragwerksplaner immer dazu.

Zwei Sonderfälle werden oft übersehen. In einer Eigentumswohnung gehören tragende Wände zum Gemeinschaftseigentum; ein Durchbruch braucht dann einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft. Und in einem Kulturdenkmal kann auch das Innere geschützt sein, dann entscheidet die Denkmalschutzbehörde mit, bevor eine Wand fällt. Diese Angaben sind Orientierung, keine Rechtsberatung; den Einzelfall klären Planer und Behörde.

Woraus die Wand besteht, macht den Unterschied

Trockenbau: Gipskartonplatten auf Metall- oder Holzständern, dazwischen Dämmung. Schnell zurückgebaut, wenig Gewicht. Die Platten gehen als Gips, die Profile als Metall, die Dämmung getrennt, und bei Mineralwolle, die vor 2000 eingebaut wurde, staubdicht verpackt.

Mauerwerk: Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton oder Bims. Mehr Staub, mehr Gewicht, mehr Zeit. Porenbeton wird von vielen Annahmestellen nicht im normalen Bauschutt angenommen und geht deshalb getrennt. Bims, wie er in vielen Nachkriegshäusern im Rheinland und im Westerwald steckt, ist leicht, bricht aber schnell aus.

Fachwerk: Holzständer mit Lehm- oder Ziegelausfachung, typisch für alte Häuser etwa in Idstein oder Limburg. Hier ist fast immer etwas tragend, und Holz und Lehm werden getrennt. Alte Balken mit Holzschutzanstrich fallen in die teuerste Altholzklasse.

Gipsdielen und Schwemmstein: In Häusern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Trennwände oft aus leichten Platten oder Steinen gesetzt. Sie sehen aus wie Mauerwerk, sind aber leichter, und Gipsdielen gehören nicht in den mineralischen Bauschutt.

Der Ablauf

Zuerst werden Leitungen in der Wand geklärt und freigeschaltet: Steckdosen, Schalter, Wasser, manchmal ein Heizungsrohr. Dann wird abgeschottet, damit der Staub im Raum bleibt: Türen abkleben, Folie auf die Wege, bei Bedarf eine Staubschutzwand. Bei tragenden Wänden wird vor dem Abbruch nach Vorgabe des Tragwerksplaners abgestützt und der Träger eingebaut, erst dann fällt die Wand.

Abgebrochen wird von oben nach unten, das Material wird gleich getrennt. Zurück bleiben die Anschlussstellen an Decke, Boden und Nachbarwänden, die der Maurer, Trockenbauer oder Maler anschließend schließt. Wie wir dafür den Termin mit dem nächsten Gewerk abstimmen, steht unter Entkernung zwischen zwei Gewerken.

Schadstoffe in und an der Wand

In Häusern, die vor Oktober 1993 gebaut oder saniert wurden, können Spachtelmassen, Fliesenkleber und manche Putze Asbest enthalten. Trockenbauwände aus der Zeit vor 2000 haben oft alte Mineralwolle in der Mitte. Beides ändert das Vorgehen, und deshalb prüfen wir verdächtige Stellen, bevor gestemmt wird. Mehr dazu im Ratgeber Schadstoffe vor der Entkernung.

Was es kostet

Einen seriösen Pauschalpreis gibt es nicht, weil die Wände zu unterschiedlich sind. Den Preis machen das Material und die Wandstärke, die Frage, ob abgefangen werden muss, der Aufwand für den Staubschutz, die Etage und der Weg nach draußen, dazu die Entsorgung. Der Tragwerksplaner und ein Stahlträger kommen bei tragenden Wänden als eigene Posten dazu.

Wir nennen Ihnen einen Festpreis für den Rückbau und die Entsorgung, nach einer kostenlosen Besichtigung oder nach Fotos. Mehr zu gezielten Arbeiten im Bestand steht auf der Seite Rückbau & Demontage.