Ratgeber
Umzug ins Pflegeheim: die Wohnung auflösen, ohne zu überstürzen
Welche Fristen wirklich gelten, warum es kein Sonderkündigungsrecht gibt und in welcher Reihenfolge Angehörige vorgehen sollten.

Kurz gefasst: Beim Umzug ins Pflegeheim gibt es für die alte Mietwohnung kein Sonderkündigungsrecht. Es gilt die normale Frist von drei Monaten nach § 573c BGB, gerechnet ab dem dritten Werktag des Monats. Diese drei Monate sind kein Problem, sondern der Puffer, den Angehörige brauchen. Wer zuerst räumt und danach sucht, findet nichts mehr.
Der häufigste Irrtum: das Sonderkündigungsrecht
Viele Angehörige gehen davon aus, dass ein Heimeinzug die Wohnung sofort kündbar macht. Das stimmt nicht. Das Gesetz kennt für Mieter kein Sonderkündigungsrecht wegen Pflegebedürftigkeit. Es bleibt bei drei Monaten Frist.
Manche Vermieter lassen mit sich reden, vor allem wenn ein Nachmieter bereitsteht. Das ist Kulanz und kein Anspruch. Fragen kostet nichts, planen sollte man aber mit den drei Monaten.
Umgekehrt gilt für den Heimvertrag selbst eine andere Regel: Nach dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz kann der Bewohner diesen Vertrag spätestens am dritten Werktag eines Monats zum Monatsende kündigen. Das betrifft aber das Heim, nicht die alte Wohnung.
Warum die Zeit ein Geschenk ist
In diesen drei Monaten passiert mehr, als man denkt. Die Pflegekasse will Unterlagen, Verträge müssen gekündigt werden, oft steht ein Antrag auf Pflegegrad oder eine Betreuung im Raum. Und der Mensch, um den es geht, hat gerade seine Wohnung verlassen, in der er vielleicht vierzig Jahre gelebt hat.
Wir erleben regelmäßig, dass Familien in der ersten Woche alles wegwerfen wollen und drei Wochen später verzweifelt nach einem Sparbuch oder einem Foto suchen. Deshalb: erst suchen, dann räumen.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat
Erstens: Unterlagen sichern. Rentenbescheide, Versicherungspolicen, Kontounterlagen, der Mietvertrag, Verträge über Strom, Gas, Telefon und Abos, Fahrzeugpapiere, Vollmachten. Erfahrungsgemäß liegt das nicht im Ordner, sondern in Küchenschubladen, hinter Bilderrahmen und in Handtaschen.
Zweitens: mitnehmen, was ins Zimmer passt. Ein Heimzimmer ist klein. Meist passen ein Sessel, eine Kommode, Bilder, Bettwäsche und persönliche Dinge. Genau diese Auswahl entscheidet darüber, ob sich jemand dort zu Hause fühlt, und sie sollte nicht unter Zeitdruck getroffen werden.
Drittens: verteilen, was die Familie behalten will. Auch das braucht Zeit, weil sich mehrere abstimmen müssen. Markieren Sie es mit Klebezetteln oder schicken Sie uns eine Liste, dann bleibt es stehen.
Viertens: den Rest auflösen. Erst jetzt kommen wir ins Spiel. Alles, was übrig ist, geht raus, sortiert nach Material, und die Wohnung wird besenrein übergeben.
Was mit den Möbeln passiert
Die ehrliche Antwort: Der Markt für gebrauchte Möbel ist klein. Schrankwände aus den Achtzigern, Polstergarnituren und Röhrenfernseher finden praktisch nie einen Abnehmer. Verwertbar sind meist Metalle mit hohem Kupferanteil, gutes Werkzeug, Musikinstrumente, gelegentlich ein einzelnes Möbelstück.
Was wir verwerten können, sagen wir bei der Besichtigung, und es geht vom Preis ab. Wir verkaufen nichts, ohne dass Sie es wissen.
Sie müssen nicht dabei sein
Viele Angehörige möchten die Wohnung nicht noch einmal in diesem Zustand sehen, und das ist völlig in Ordnung. Wir brauchen nur einen Schlüssel, besprechen den Ablauf vorher und melden uns mit Fotos, wenn wir fertig sind. Papiere, Fotos, Briefe und Schmuck legen wir in eine eigene Kiste, die Sie ungeöffnet bekommen.
Was es kostet
Einen Pauschalpreis kann seriös niemand nennen, ohne die Räume gesehen zu haben. Der Preis entsteht aus Arbeitszeit und Entsorgungskosten, und auf der Deponie werden wir gewogen. Entscheidend sind Menge, Etage, Zugang und die Art des Materials.
Zur Orientierung: Eine normal möblierte Zweizimmerwohnung im ersten Stock ohne Aufzug haben wir für 800 Euro brutto geräumt, eine Dreizimmerwohnung inklusive Küchendemontage unter gleichen Bedingungen für 1.666 Euro brutto. Das sind Anhaltspunkte, keine Preisliste.
Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden. Wenn Sie uns Fotos von jedem Raum per WhatsApp schicken, nennen wir den Preis meist ohne Besichtigung, und dafür gibt es fünf Prozent Nachlass über das Express-Angebot. Mehr zum Ablauf: Haushaltsauflösung.