Ratgeber
Nachtspeicheröfen und alte Böden: wann Asbestregeln gelten
Woran man verdächtige Nachtspeicheröfen, Floor-Flex-Platten, Cushion-Vinyl und schwarzen Kleber erkennt, was die TRGS 519 verlangt und was Sie selbst tun können.
Von Patrick Straub, veröffentlicht am

Kurz gefasst: Nachtspeicheröfen und alte Bodenbeläge sind in Häusern, die vor dem Asbestverbot von 1993 gebaut oder renoviert wurden, die häufigsten Stellen, an denen bei einer Renovierung Asbest auftaucht. In Nachtspeicheröfen steckt schwach gebundener Asbest vor allem in Geräten, die vor 1977 hergestellt wurden; Gewissheit gibt der Hersteller anhand der Gerätenummer auf dem Typenschild. Vinyl-Asbest-Platten, bekannt als Floor-Flex, gelten als fest gebundenes Asbestprodukt, ihr schwarzer Kleber kann Asbest oder teerhaltige PAK enthalten. Ausgebaut wird beides nach der TRGS 519, also von einem Betrieb mit Sachkunde, der die Tätigkeit der Behörde angezeigt hat. Bei uns übernimmt das unser Partnerbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519, Sie haben trotzdem nur einen Ansprechpartner.
Nachtspeicheröfen: das Typenschild entscheidet
In Nachtspeicheröfen, fachlich Elektrospeicherheizgeräte, kann die Dämmung Asbest enthalten, und zwar schwach gebunden, also leicht freisetzbar. Nach Angaben kommunaler Entsorger betrifft das in Privathaushalten vor allem Geräte, die vor 1977 hergestellt wurden. Das Baujahr ist ein Hinweis, kein Beweis.
Sicher wird es mit der Gerätenummer: Sie steht auf dem Typenschild, und mit ihr kann der Hersteller sagen, ob das Gerät asbesthaltige Bauteile enthält. Fotografieren Sie das Schild, ohne das Gerät zu öffnen.
Dazu kommen Stoffe, die auch in asbestfreien Geräten stecken können: Regler mit PCB in Geräten, die vor dem PCB-Verbot vom Juli 1989 gebaut wurden, chromathaltige Speichersteine und Dämmung aus Mineralwolle. Ob die Speichersteine chromatfrei sind, zeigt nur eine Laboranalyse.
Deshalb gilt: nicht selbst auseinanderbauen, auch kein Gerät, das als asbestfrei gilt. Entsorger nehmen Nachtspeicheröfen meist nur unzerlegt, staubdicht verpackt und nach vorheriger Anmeldung an, die Regeln im eigenen Landkreis erfährt man bei der Abfallberatung. Beschädigte oder nicht fachgerecht abgebaute asbesthaltige Geräte dürfen die kommunalen Sammelstellen sogar ablehnen (§ 13 Abs. 5 ElektroG).
Für den Ausbau asbesthaltiger Geräte gibt es ein anerkanntes emissionsarmes Verfahren, das Glove-Bag-Verfahren (ET 1) aus der Liste zur DGUV Information 201-012. Ein solches Gerät baut bei uns unser Partnerbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519 aus. Asbestfreie Geräte bauen wir selbst ab und entsorgen Metall, Speichersteine und Elektroteile getrennt, mehr dazu auf der Seite Nachtspeicherofen-Demontage.
Floor-Flex, Cushion-Vinyl und schwarzer Kleber
Floor-Flex oder Flexplatten sind Vinyl-Asbest-Platten: harte, dünne, meist quadratische Bodenplatten, wie man sie vor allem in Häusern der Sechziger bis Achtziger in Fluren, Küchen und Kellern findet. Die TRGS 519 zählt sie zu den fest gebundenen Asbestprodukten. Liegen sie intakt, geben sie kaum Fasern ab; beim Brechen, Schleifen oder Bohren schon.
Cushion-Vinyl ist ein weicher PVC-Belag von der Rolle, dessen Rückseite aus asbesthaltiger Pappe bestehen kann. Auch er wird nicht einfach abgerissen, bevor geklärt ist, was in der Pappe steckt.
Der schwarze Kleber unter den Platten ist eine eigene Frage. Er kann Asbest enthalten, dann gilt ebenfalls die TRGS 519. Ist er teerhaltig, enthält er PAK, und es gelten andere Regeln. Sinnvoll ist deshalb, Platte und Kleber getrennt untersuchen zu lassen, auf Asbest und auf PAK.
Für den Ausbau gibt es mehrere anerkannte emissionsarme Verfahren, etwa für Vinyl-Asbest-Platten mit und ohne asbesthaltigen Kleber und für das Abschleifen asbesthaltiger Bitumenkleber. Sie stehen ebenfalls in der Liste zur DGUV Information 201-012, und nur ein Betrieb mit Sachkunde darf sie anwenden.
Überdecken statt herausreißen?
Nicht jeder belastete Boden muss raus. Die TRGS 519 nennt es ausdrücklich keine Tätigkeit mit Asbest, einen neuen Belag auf einen intakten, asbestfreien Belag zu legen, unter dem asbesthaltige Spachtelmasse oder asbesthaltiger Fliesenkleber liegt, solange der Untergrund nicht bearbeitet wird. Liegen die Floor-Flex-Platten selbst obenauf, ist jedes Bohren, Schleifen oder Nageln in ihnen dagegen Arbeit am Asbest.
Ob Überdecken oder Ausbau besser ist, hängt davon ab, was danach kommt. Bei einer Entkernung, einem neuen Estrich oder einer Fußbodenheizung muss der alte Aufbau ohnehin raus, und dann ist der geordnete Ausbau der sichere Weg.
Was Sie selbst tun können
Vor der Renovierung: das Baujahr von Haus und Geräten klären, das Typenschild des Nachtspeicherofens fotografieren und beim Hersteller nachfragen, verdächtige Böden von einem Labor untersuchen lassen. Seit Dezember 2024 verlangt die Gefahrstoffverordnung vom Auftraggeber ohnehin, dem ausführenden Betrieb vorher mitzuteilen, was er über Baujahr und Schadstoffe weiß.
Was Sie lassen sollten: Platten herausbrechen, Kleber abschleifen, Geräte aufschrauben oder Bruchstücke in den Hausmüll geben. Asbesthaltige Abfälle sind gefährlicher Abfall, und nur dafür zugelassene Stellen nehmen sie an.
Bei uns bauen wir aus, was asbestfrei ist, und für den Rest kommt unser Partnerbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519. Sie haben trotzdem nur einen Ansprechpartner. Wie wir vorgehen, steht auf den Seiten Bodenbeläge entfernen und Schadstoffsanierung, den Überblick über alle Schadstoffe gibt der Ratgeber Schadstoffe vor der Entkernung.
Diese Angaben sind Orientierung, keine Rechtsberatung. Für das Vorgehen im Einzelfall zählt die Erkundung am Gebäude.