Ratgeber
Estrich entfernen: Art erkennen, Gewicht einschätzen, richtig entsorgen
Zement, Anhydrit, Gussasphalt oder Steinholz: wie man Estrich erkennt, was er wiegt und wohin er gehört.

Kurz gefasst: Estrich ist schwer, und Gewicht ist auf der Deponie genau das, was zählt. Ein Zementestrich wiegt rund zwei Tonnen pro Kubikmeter, bei fünf Zentimetern Dicke also etwa 100 Kilogramm je Quadratmeter. Welche Estrichart verbaut ist, entscheidet über den Entsorgungsweg: Zementestrich ist mineralischer Bauschutt, Anhydrit gehört zu den Gipsbaustoffen, und alter Gussasphalt oder Steinholz können gefährlichen Abfall enthalten.
Welche Estriche es gibt
Zementestrich ist der Klassiker, grau, hart, in Bädern und Kellern fast immer. Er geht als Beton in die Entsorgung und ist, sauber getrennt, gut verwertbar.
Calciumsulfat- oder Anhydritestrich wurde vor allem in Wohnräumen verlegt, oft mit Fußbodenheizung. Er ist heller, manchmal gelblich, und empfindlich gegen Feuchtigkeit. Er gehört zu den Baustoffen auf Gipsbasis und darf nicht in den mineralischen Bauschutt, weil er ihn unverwertbar macht.
Gussasphaltestrich ist schwarz und wurde lange in Treppenhäusern, Gewerbe- und Altbauten eingebaut. Ältere Gussasphalte können teerhaltig sein und fallen dann unter gefährlichen Abfall. Das klärt eine Probe, bevor der Boden rausgeht.
Steinholzestrich aus Magnesia und Holzspänen findet man in Altbauten und alten Gewerbebauten. Ältere Steinholzestriche können Asbestfasern enthalten, auch hier gilt: erst prüfen, dann aufnehmen. Trockenestrich aus Platten ist das Gegenstück: leicht, schnell ausgebaut, aber je nach Material Gips oder Holzwerkstoff.
Was Estrich wiegt
Rechnen Sie mit etwa zwei Tonnen pro Kubikmeter, bei Zement- und Anhydritestrich eher etwas mehr. Ein Raum mit 20 Quadratmetern und fünf Zentimetern Estrich ergibt einen Kubikmeter, also rund zwei Tonnen. Ein ganzes Stockwerk mit 100 Quadratmetern kommt schnell auf zehn Tonnen.
Das erklärt, warum Estrich bei einer Entkernung einer der größten Einzelposten ist. Es zählt jede Tonne auf der Waage und jeder Eimer auf der Treppe. Wer den Estrich drinlassen kann, weil er intakt ist und die Aufbauhöhe passt, spart deutlich. Wie sich die Kosten einer Entkernung zusammensetzen, steht unter Was kostet eine Entkernung?.
Was unter dem Estrich liegt
Estrich liegt selten direkt auf der Decke. Darunter sind meist eine Trennlage und eine Dämmschicht gegen Trittschall und Wärme, oft Polystyrol, manchmal Mineralwolle oder Holzfaser. Älteres Polystyrol enthält häufig das Flammschutzmittel HBCD und wird getrennt entsorgt. Am Rand steht ein Dämmstreifen, und bei Fußbodenheizung liegen die Rohre im Estrich.
Diese Schichten kommen mit raus, wenn ein neuer Aufbau geplant ist, und sie werden getrennt. Gemischt mit dem Estrich wäre die ganze Ladung teurer Mischabfall.
Wie Estrich herauskommt
Zuerst kommt der Belag runter: Fliesen, Parkett, Teppich, Laminat, samt Kleberresten. Bei Fußbodenheizung wird die Anlage vorher entleert und abgeklemmt. Dann wird der Estrich in Felder geschnitten, damit er kontrolliert bricht, mit dem Stemmhammer aufgenommen und in Eimern oder Säcken abtransportiert, bei mehreren Geschossen auch über eine Schuttrutsche aus dem Fenster.
Das ist laut und staubig. In bewohnten Häusern wird abgeschottet und in den erlaubten Zeiten gearbeitet, und der Staub wird gebunden oder abgesaugt. Übergeben wird ein besenreiner Rohboden, auf dem der Estrichleger oder Bodenleger direkt anfangen kann.
Aus der Praxis
In einer Altbauwohnung in Oberursel haben wir die alten Fliesen im Bad abgeschlagen und den Estrich herausgeholt, damit eine Fußbodenheizung hineinpasste. Nach zwei Tagen war alles raus, und der Estrichleger konnte anfangen. In Bad Camberg ging es um ein neues Bad, und dort zeigte sich wieder, warum die Sorte zählt: Zementestrich und Anhydritestrich gehen getrennte Wege, gemischt angeliefert wird beides zur teureren Variante.
Was es kostet
Den Preis machen Fläche und Dicke, also das Gewicht, die Estrichart, der Aufbau darunter, die Etage und der Weg nach draußen. Dazu kommt, ob Schadstoffe im Spiel sind. Einen Quadratmeterpreis nennen wir nicht, einen Festpreis nach Besichtigung oder Fotos schon, mit Abtransport und Entsorgung. Mehr zum Bodenrückbau steht unter Bodenbeläge entfernen.